Wissen ist nicht dasselbe wie Zustimmung
Eine Geschichte kann nah an einer handelnden Person bleiben, ohne deren Verhalten gutzuheißen. Du darfst die Überlegungen einer Figur interessant finden und ihre Handlungen zugleich ablehnen. Auch der Erzähler und die Figur sind nicht automatisch dieselbe Instanz.
Als Verlagsbeispiel lässt sich „Ripley Under Ground“ heranziehen: Die Beschreibung stellt Ripleys eigene Verstrickung ins Zentrum. Eine Täterperspektive ist hier bereits Teil der angekündigten Ausgangslage und kein von uns verratenes Schlussrätsel.
Die gewünschte Distanz prüfen
Lies in der Probe, wie die Nähe hergestellt wird. Werden Gedanken ausführlich wiedergegeben? Bleibt die Sprache beobachtend? Entsteht Ironie zwischen Selbstdarstellung und Verhalten? Diese Unterschiede können wichtiger sein als die Frage, ob das Buch als Thriller oder Kriminalroman verkauft wird.
Wenn du vor allem mit einer verlässlich ermittelnden Figur mitgehen möchtest, ist diese Erzählweise vielleicht gerade nicht passend. Das ist eine Geschmacksentscheidung, kein Urteil über die Qualität.
Anders miträtseln
Notiere beim Lesen nicht nur „Wer war es?“, sondern beispielsweise „Welche Behauptung könnte auffliegen?“ oder „Wer verfügt über welches Wissen?“. Damit folgst du dem eigentlichen Spannungsaufbau.
Vermeide vorab Listen mit überraschenden Täterenthüllungen. Dort kann die bloße Aufnahme eines Titels bereits spoilern. Suche gezielt nach Büchern, deren Verlag die Perspektive offen benennt, und lass den weiteren Verlauf unberührt. Die Verlagsprobe reicht oft, um deine Bereitschaft zu dieser Nähe einzuschätzen.